Die Bilder aus Sachsen, die man im August überall auf der Welt sehen konnte, kannte man bis dahin eigentlich nur aus dem Fernsehen, wenn vor allem die Flüsse in Asien nach monatelangen Monsunregen über die Ufer traten. Keiner hätte es für möglich gehalten, eine solche Katastrophe auch hier erleben zu können. Dass sich unsere kleinen Gebirgsbäche in reißende Ströme verwandeln würden, die alles einfach mitreißen. Dass die Elbe im Hochsommer von ca. 2,00m auf 9,40m steigen würde. Nein, dass war nicht nur für mich unvorstellbar.
Vor allem Sachsen mit meiner Heimatstadt Dresden hat es erwischt: 740 km Straßen und 180 Brücken zerstört, 400 km Bahntrasse, 15 Todesofer, zehntausende evakuiert, tausende Häuser zerstört oder schwer beschädigt, unzählige Existenzen weggeschwemmt.
Allein in Dresden versanken 15% des Stadtgebietes in den Fluten von Weißeritz und Elbe, 35.000 Menschen mussten evakuiert werden. Noch schlimmer hat es Orte wie Bad Schandau oder Königstein im Elbsandsteingebirge getroffen, sie versanken fast vollständig im Wasser.
Das tragischste an der Katastrophe in Sachsen: Alles war gerade nach 12 Jahren Sanierung und Neuaufbau fertig geworden, z.B. die Bahntrasse durch Tharandt. Nun müssen viele ganz von vorn anfangen, einige werden die Kraft und das Geld dazu nicht aufbringen.

Doch am meisten bewegt hat mich in dieser Zeit die Hilfsbereitschaft der Menschen in Deutschland, ja der ganzen Welt, ausgenommen die Gaffer und Hochwassertouristen.
Selbst aus Rußland, Polen und den Niederlanden sind Spezialisten mit ihren Maschinen angereist, haben ihre Freizeit geopfert und haben geholfen. Doch auch die Spendenbereitschaft war so enorm wie noch nie, dennoch werden sich noch einige Millionen mehr gebraucht, wie nach den ersten Schadensaufnahmen zu sehen ist.

Hier in Dresden haben viele Arbeit Arbeit sein lassen und sind Sandsäcke füllen gegangen oder haben aufgeräumt und vieles mehr.
Anpacken war das Motto dieser Tage und dafür allen tausend Dank.

Ganz sicher ist: Wir kommen wieder nach oben - es wird schon wieder aufgebaut - so schnell gehen wir nicht unter !

Im folgenden habe ich eine kleine Chronik der Flutwoche und natürlich jede Menge Bilder (beim Draufklicken wird´s größer).
Wer mir seine Fotos schicken will, immer her damit, meine mailadresse findet Ihr auf der mail-seite.

Montag, 12.08.2002

Dauerregen - und kein Ende in Sicht - Tief Ilse braut über Sachsen neue Unwetter zusammen.
Der DWD gibt eine Regenmenge von 80 L/qm (für 24h !) an und in Dresden wird ein Elbpegel von 5,50m erwartet - noch kein Problem.
Aber dann der Schock: Bis zum Abend sind mehr als 30 Straßen teilweise oder ganz gesperrt; die Weißeritz hat sich von der Talsperre Malter aus sein altes Flußbett von Freital nach Dresden gesucht und der OB von Dresden ruft Katastrophenalarm aus.

Dienstag, 13.08.2002

Die Feuerwehren sind pausenlos im Einsatz um Keller und Tiefgaragen leer zu pumpen - und es regnet noch immer.
Das Wasser bahnt sich nun seinen Weg über die Gleisanlagen zum Hauptbahnhof und ergießt sich auf die Prager Straße und in den Großen Garten. Der Verkehr in Dresden bricht zusammen, Busse und Bahnen ahren nur noch sporadisch. In allen Dresdner Schulen fällt die Schule aus, alle Anwohner werden aufgefordert, Maßnahmen zum Gebäudeschutz zu treffen.
Durch den Dauerregen werden Stromausfälle in vielen tausend Haushalten verursacht - ca. 20 Umspannstationen sind überflutet.

Mittwoch, 14.08.2002

Die Situation wird imm katastrophaler: Die Flutrinne läuft über, die Ostrainsel gänzlich untergegangen, der Stadtteil Friedrichstadt eine Insel - eingeschlossen von Weißeritz und Elbe. Die Weißeritz hat nun 3 Flußbetten - ihr eigenes, die Löbtauer straße und die Weißeritzstraße. Der Autoverkehr bricht vollends zusammen, braune Fluten brechen aus dem Hauptbahnhof hervor - aber hört auf zu regnen - endlich.
Das Krankenhaus Friedrichstadt wird evakuiert, unsere Kunstschätze drohen unterzugehen. In der Gemäldegalerie dringt Wasser durch die Wände - alle Gemälde werden in einer Eilaktion durch viele Helfer in die oberen Etagen gebracht. Das Schlosstheather wird ausgepumpt, der Zwingerhof ist ein einziger See. Die Gerichte in Dresden ruhen - einige sind direkt betroffen - so das Amtsgericht auf der Löbtauer Straße.
Die Stadien des DSC und von Dynamo sind überflutet. Immer mehr Brücken werden gesperrt, z.B. Das Blaue Wunder.
Mittlerweile hat die Elbe einen Pegel von 7,75m - Tendenz steigend.
In Dresden sind nun 1500 Katastrophenhelfer im Einsatz - ungezählt die ganzen freiwilligen Dresdender. Immer noch sind viele Gebiete der Innenstadt ohne Strom, nur die Gas- und Wasserversorgung ist noch gewährleistet.

Donnerstag, 15.08.2002

Dresden wird von einer zweiten riesigen Hochwasserwelle , nun durch die Elbe, überflutet. Und die Behörden geben keine Entwarnung - nun wird ein Pegel von 8,50m erwartet. Der alte Rekord betrug 1845 8,77m.
Die letzte Nacht war vor allem durch Stromausfälle und dem Hochwasserkampf der Dresdner geprägt. Weitere Stromabschaltungen in Johannstadt, Kaditz, Laubegast und Außerbetriebnahme der Wasserwerke in Tolkewitz und Hosterwitz. Nur das Wasserwerk in Coschütz gewährleistet noch die Wasserversorgung. Immer noch werden Keller und Kanäle ausgepumpt und gereinigt. Trotz der Dunkelheit schaufelten Tausende auf dem Theaterplatz Sand in Säcke, verbarrikadierten damit die Oper und andere Gebäude gegen die steigenden Fluten.
Derweil laufen in der Stadt die Vorbereitungen für die größte zivile Evakuierungsaktion der Bundeswehr: mehr als 3600 Kranke sollen in andere Städte ausflogen, fast alle Krankenhäuser werden evakuiert. Die Bürger in Laubegast, Gohlis, Cossebaude und anderen Stadtteilen werde aufgefordert, freiwillig ihre Häuser zu räumen - Evakuierungen können nicht mehr durchgeführt werden.

Freitag, 16.08.2002

Die Jahrhundertflutist eine der schwersten Katastrophen, die Deutschland je heimgesucht hat und hinterläßt im Osten eine ungeheure Spur der Zerstörung - und Dresdens Elbpegel klettert weiter. Am Abend steht er bei 9,29m - Konsequenz: wieder müssen Menschen in großer Eile evakuiert werden. Am Morgen gibt die Feuerwehr in der historischen Altstadt den kampf gegen das auch von unten drückende Wasser stellenweise auf, z.B. in Semperoper und Zwinger. Jetzt reißt die Elbe sogar Fähren und einen Dampfer aus ihren Verankerungen, 4 der Dresdner Brücken sind gesperrt, beide Ufer sind praktisch getrennt.
Zum Glück ist die Weißeritz in eigentliches Flußbett zurückgekehrt, so dass die ersten Umspannstationen wiede in Betrieb genommen werden - endlich wieder Strom in einigen Stadtgebieten !

Sonnabend, 17.08.2002

Die neue Schreckensmarke steht fest: Am Morgen um 7.00 Uhr erreicht das Elbehochwasser 2002 mit 9,40m seinen Höchststand in Dresden, und erst nach 4 langen Stunden beginnt es langsam zu sinken - aufatmen !
Doch bis der Fluss wieder ganz in sein Bett zurückkehrt, wird es noch mind. eine woche dauern - so Schätzungen der Experten. Momentan sind 42.500 Helfer im Einsatz.
Die Experten warnen nun vor zu schnellem Abpumpen der Keller - der Grundwasserspiegel in der ganzen Stadt ist extrem hoch - es besteht die Gefahr von Einstürzen und neuem Volllaufen.

Sonntag, 18.08.2002

Seit der pegel fällt, sind in Dresden erste Aufräumarbeiten im Gange. Überall wird nun aussortiert, repariert, Schlamm geschaufelt und geputzt. Überflutete Straßen werden nur langsam freigegeben. Einige Stadtteile wie Laubegast und Gohlis werden noch lange für den Durchgangsverkehr gesperrt bleiben.
Die vorläufige Schreckensbilanz: 130 Dämme wurden von Helfern in der Stadt errichtet, trotzdem wurden 47 Quadratkilometer Stadtgebiet überflutet. Fieberhaft wird an der Stromversorgung gearbeitet, damit alle Evakuierten wieder in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren können.

Montag, 19.08.2002

Das Wasser der Elbe geht zügig zurück, am Abend sinkt der pegel unter 7m. Doch nun werden die Schäden in ihrem ganzen Ausmaß erkennbar. Die Bahn muss mit Sanierungen i.H.v. 660 Mill. Euro rechnen, der Schaden in der Landwirtschaft wird auf 200 Mill. Euro geschätzt - die ganze Ernte in manchen Gebieten ist futsch.
Allmählich kehen die Bewohner in Ihre Wohnungen zurück, räumen die Keller leer. Der Abtransport des Sperrmülls ist kostenlos - diese Arbeiten werden noch Wochen dauern.
Die Marienbrücke wird wieder freigegeben.

Die weiteren Tage

Auch an den darauffolgenden Tagen gehen in Dresden die Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeten unvermindert weiter, die Stadtreinigung rückt dem Sperrmüll in zwie Schichten zu Leibe. Immer Bewohner kehren zurück, weitere Straßen und nach und nach alle Brücken werden wieder freigegeben, der Katastrophenalarm wird aufgehoben.
Derweil gehen die Hilfeleistungen für Dresden weiter - aus allen Teilen Deutschlands und der Welt spenden Menschen für die Betroffenen.

Heute (22.09.2002)

Überall in der Stadt sieht man den Häusern an, ob sie vom Wasser betroffen waren, viele stehen zumindest halb leer, man sieht noch den Höchststand des Wassers an den Außenwänden. Zerstörte Autos stehen vor zerstörten Autohäusern und kaputte Tankstellen. In Flußnähe der Weißeritz stehen halbe Häuser oder gar keine mehr - man kann manchmal von der Straße zum Fluß sehen - früher unmöglich. Naherholungsgebiete wie der Rabenauer Grund in Freital - früher ein wunderbares Tal mit Schmalspurbahn - heute ein lichtes Tal, total zerstört.
Viele Straßenbahnlinien und Tiefgaragen - unbenutzbar.
Die Zugverbindungen am Hauptbahnhof werden Stück für Stück wieder in Betrieb genommen - nun fahren schon wieder Züge nach Prag.
Viele Geschäfte - geschlossen, Firmen mit Kurzarbeit wenn sie ihre Angestellte überhaupt noch beschäftigen können.

Doch es wird gearbeitet und aufgeräumt - es muss weiter gehen. Deshalb sind auch alle Touristenbusse willkommen - früher haben wir uns manchmal darüber aufgeregt - heute sind wir froh, dass sie zu uns kommen.

Die Angst bleibt - kann es wieder geschehen ? Wer will noch in Elbnähe wohnen, bauen darf da nun keiner mehr. Was wird abgerissen - einige Kleingartensparten auf jeden Fall - schade drum.
Doch die Elbwiesen und die Flutrinnen sind wichtig für Dresden - ohne die Wiesen wäre mein Stadtteil sicher in den Fluten versunken, sie haben viel abgefangen. Denn anders als in Köln und anderen Städten sind sie zum Teil Landschaftsschutzgebiet

Es bleibt zu hoffen, dass diese Katastrophe in den Köpfen hängen bleibt und einige Maßnahmen zum Hochwasserschutz ergriffen werden, damit so etwas nicht wieder geschieht - ich möchte es nicht wieder erleben müssn.

Brühlsche Terasse
Friedrichstadt
Elbwiesen in Blasewitz
das Ufer in Mickten - hier haben die Anwohner gearbeitet
am Zwinger
die Altstadt von oben
Münzgasse am Hilton
Der Zwingerhof
Helfer am Altmarkt
Wasserstand im Theater - erst Weißeritz, dann Elbe
Großer Garten, da ist gar kein Fluß
alle mit anpacken !
vor der Frauenkirche
versunkene Filmnächte am Elbufer
die Felsenkellerbrauerei
der Elbepark - Deich übergelaufen
Die Freitreppe in Pillnitz - da wo die Köpfe aus dem Wasser schauen

Das Umland und die Sächsische Schweiz

Natürlich hat es nicht nur Dresden eiskalt erwischt, auch die Städte in der Sächsischen Schweiz sind von Elbe und den Flüssen der Elbeseitentäler wie der Müglitz heimgesucht worden. Diese Orte sollten man bei aller Sympathie nicht vergessen. Hier einige Beispiele für die Situationen dort:
In Schöna hatte die Elbe eine Höchststand von 12 m - unvorstellbar.
In Ort wie Bad Schandau, Königstein, Wehlen, Rathen, Schmilka, Pirna, Heidenau u.a. stand fast die komplette Stadt unterwasser - meterhoch.
Orte wie Glashütte, Weesenstein und Dohna wurden von den Flüsse fast vollständig zerstört.

Fährt man, wie wir letztens, durch eine Ort wie Bad Schandau, kann man kaum Worte hevorbringen, solch katastrophale Schäden wurden nun sichtbar. Für meine Familie, die aus Bad Schandau und Rathmannsdorf stammt, schockierende Bilder, vor allem enn man mal vor ort ist.

Um dies alles nicht zu vergessen, habe ich versucht, soviele Bilder wie möglich zusammen zu tragen.
Da dies aber noch nicht abgeschlossen ist, kommen diese Bilder bei Gelegenheit auf diese Seite.